Am Donnerstagabend konnte Bürgermeister Wahl mehr als 120 Gäste begrüßen, die zu dem Multivisionsvortrag „Die Anden“ der Frankfurter Journalisten Dr. Michael Wolfsteiner und Dr. Jutta Ulmer in den Sitzungssaal der „Fair Trade zertifizierten Gemeinde“ Röttenbach gekommen waren.

Mit einem derartigen Ansturm hatten die Veranstalter, der Aktionskreis für eine faire Welt e.V. nicht gerechnet, sodass leider einige Zuschauer sich mit Stehplätzen, die bis in den Flur reichten vorliebnehmen mussten. Die Anziehungskraft der „Show“ reichte weit über die Gemeindegrenzen hinaus insbesondere, weil vorab auch Werbung über die NN geschaltet worden war. Die beiden Fotojournalisten faszinierten die Gäste mit einer Kombination aus beeindruckenden Bildern, live erzählten Geschichten, stimmungsvoller Musik und Originaltonaufnahmen aus den Ländern Peru, Bolivien und Chile.  Ohne ein Flugzeug zu besteigen, nahmen die Autoren ihre Zuschauer mit auf eine atemberaubende Reise in die eisigen Höhen der Anden, zu mystischen Ruinen der Inkas, zum tiefblauen Titicacasee, zu spuckenden Geysiren, schneebedeckten Vulkanen und in die Atacamawüste.

Im Valle Sagrado besuchten sie mystische Inka-Ruinen und eine Kleinbauernfamilie, die fair gehandelten Kaffee mit dem sagenumwobenen Namen Machu Picchu produziert. Sie erzählten vom Kleinbauern Enrique (Heinrich), der in einem abgelegenen Dorf auf 2000 m Höhe lebt und exzellenten Bio-Arabica Kaffee produziert. Enrique ist Mitglied in der Cooperative COCLA Huadquina. Dank des fairen Handels erhalten er und die über 3000 Familien, die Mitglieder der Kooperative sind, einen deutlich über den Weltmarktpreis liegenden Preis. Den Mehrpreis nutzen Sie für Gemeinschaftsprojekte, Gesundheitsförderung und Weiterbildung. Gezeigt wurde der komplette Herstellungsprozess von der Kaffee-Blüte, Reifung, Ernte, Entfleischen, Fermentierung und Trocknung bis zum Pergamentkaffee und der Röstung.

Das besondere des Vortrags war aber das tiefgreifende Aufzeigen der andinen Kultur durch die vielen persönlichen Begegnungen bei Familienbesuchen, wobei Sie die Gastfreundschaft der Menschen genossen, bei Ihnen in einfachen Adobehäusern übernachteten und zusammen einfaches Essen zubereiteten. Meist wurden Sie aber als ganz besondere Gäste empfangen und es gab als „Sonntagsessen“ Meerschweinchen mit Erdnussoße, Kartoffeln und Quinua.

Die beiden Fotojournalisten zeigten auch auf wie die indigene Kultur durch die 500-jährige Kolonialisierung Südamerikas geprägt wurde. Sie zeigten Cuscos reich verzierte Kolonialkirchen mit vielen goldbestückten Heiligenfiguren, tauchten in Perus farbenprächtigsten Karneval ein, stiegen in eine Fairtrade-gesiegelte Goldmine hinab und schliefen auf einer Schilfinsel im tiefblauen Titicacasee. Nach einer viertägigen Trekkingtour in Boliviens abgelegener Apolobamba-Region zelebrierte ein Kallawaya-Arzt ein bewegendes Opferritual für die beiden. Dass der Faire Handel nicht nur Armut reduzieren, sondern auch uralte Traditionen bewahren kann, erlebten die beiden beim Besuch von Aymara-Indígenas, die am Ufer des gigantischen Salar de Uyuni das Wunderkorn Quinoa kultivieren. In der glasklaren Luft der Atacamawüste waren Sie von spuckenden Geysiren, malerischen Lagunen und den wissenschaftlichen Sternwarten ALMA und La Silla begeistert. Weiter im Süden Chiles verkosteten Sie bei Kleinwinzern fair gehandelten Wein und lebten ein paar Tage naturnah mit Mapuche-Indígenas in einem winzigen Dörfchen. Beeindruckend wurde das Naturverständnis der Ureinwohner erklärt, für die die Erde „La Pacha-Mama“ heilig ist, ein Verständnis das vielen Menschen in Industrienationen abhandengekommen ist.

Bürgermeister Wahl bedankte sich bei den Fotojournalisten sowie dem Aktionskreis für die in jeder Hinsicht hervorragend präsentierte Multivisionsshow. Vielleicht können die Berichte der zu Wort gekommenen Kleinbauern bei den Zuhörern zum Nachdenken über einen nachhaltigen Lebensstil anregen und die eine oder andere Kaufentscheidung für den fairen Handel beeinflussen.

Am Freitag dem 19.10.2018 konnte der Aktionskreis für eine faire Welt den aus Treuchtlingen stammenden Entwicklungshelfer Norbert Hill im Bürgertreff der Gemeinde Röttenbach begrüßen; in einem sehr eindrucksvollen und spannend vorgetragenen Lichtbildervortrag referierte Norbert Hill über das zusammen mit seiner Frau Sylvia in Paraguay gegründete Nähprojekt, unterstützt von dem paraguayischen Verein Fundacion 2KP, sowie mit Hilfe von DocAfrika International aus München und der amerikanischen Organisation Project for the people of Paraguay (PPP).

Dabei war aller Anfang sehr schwer: „Wir müssen immer wieder daran danken, dass alles vor etwa 10 Jahren mit einer einzigen Nähmaschine und einer Schülerin begann“ erzählte Herr Hill vor den interessierten Zuhörern im Bürgertreff. Dabei wurde der Aufbau des Projekts in Paraguay immer wieder durch Korruption, Verleumdung und Einschüchterung erschwert.

Das Projekt unterstützt hauptsächlich arme Frauen bzw. benachteiligte Familien am Stadtrand von Asuncion der Hauptstadt sowie die Dorfgemeinschaften der Ache-Indianer, damit diese sich durch das Nähen einen kleinen aber wichtigen Nebenverdienst sichern können. Die von den Hills in Schulen und Dorfgemeinschaften angebotenen Kurse sind bis auf wenige Ausnahmen kostenlos für die Frauen bzw. Jugendlichen. Nach einer einjährigen Lehrzeit können sich die frisch gebackenen Näherinnen über einen Mikrokredit eine Nähmaschine kaufen. Den Kredit zahlen sie im Laufe des nächsten Jahres mit Hilfe der Einnahmen wieder zurück. Damit gelingt es den zahlreichen Absolventinnen des Kurses, ihren Lebensunterhalt mit ihrer neu erworbenen Fertigkeit selbst zu verdienen und ihre Familien zu unterstützen.
Die Nähmaschinen kommen zum großen Teil aus Deutschland und auch gebrauchte und ungenutzte Maschinen werden angenommen und bei Bedarf repariert.
Mittlerweile sind schon 150 Nähmaschinen im Einsatz von denen auch einige vom Aktionskreis für eine faire Welt in Röttenbach gesammelt wurden. 250 Frauen, Schülerinnen und Schüler in 7 Bundesländern werden im Nähen ausgebildet.

Eine Auswahl wirklich außergewöhnlicher Geschirrtücher mit tollem Design aber auch dazu passend sehr attraktive Kochschürzen, Taschen und Topflappen hatten die Hills dieses Mal wieder dabei. Die Produkte können auch im Faire Welt Laden am Rathausplatz in Röttenbach erworben werden. Die Produkte passen sehr gut in das Sortiment des Faire Welt Ladens da sie zu absolut fairen Bedingungen hergestellt werden, als Hilfe zur Selbsthilfe für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Im Faire Welt Laden erhalten Sie auch nähere Informationen zu dem Projekt. Weitere Informationen auf der Webside: http://naehprojektlimpio.blogspot.com/

Seit einiger Zeit unterstützen wir aus den Erlösen unseres Verkaufs unter anderem das Nähprojekt Limpio Paraguay. Hier finden Sie einen Projektbericht von der Projektleiterin Frau Syliva Hill.

 Projektbericht

 

Seit einigen Jahren unterstützen wir auch das   Adivasi-Tee-Projekt im Süden Indiens. 15.000 Adivasi (Ureinwohner/innen) in etwa 300 Dörfern in den südindischen Nilgiris-Bergen organisieren sich im Adivasi-Netzwerk AMS, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und gleichzeitig ihre Gemeinschaft und Traditionen zu wahren. 

Den aktuellen Tätigkeitsbericht finden Sie hier.

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Die Gemeinde Röttenbach ist auf dem besten Weg die Auszeichnung als fair Trade Gemeinde zu erhalten. Mit der Auslobung will Röttenbach ein Zeichen setzen, dass es gerade im Kleinbereich, d.h. auch auf gemeindlicher Ebene darauf ankommt, sich für faire Handelsbeziehungen mit den im Welthandel benachteiligten Produzentengruppen – meist Kleinbauern in Entwicklungsländern - einzusetzen.

 

Mitglieder der Steuerungsgruppe zusammen mit dem Bürgermeister Ludwig Wahl

Mitglieder der Steuerungsgruppe zusammen mit dem Bürgermeister Ludwig Wahl 

 

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